überspringe Navigation

Das Buch, was ich mir heute rausgesucht habe, ist im Grunde genommen ein moderner Klassiker – ok, das wusste man schon durch die Überschrift. Welches Buch meine ich eigentlich? Es geht um “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick von 1983.

Watzlawick war einer der bekanntesten Kommunikationswissenschaftler und die Anleitung ist sein bekanntestes Buch. Es wurde als bewusster Gegenentwurf zur Ratgeberliteratur angelegt, ist aber letztendlich nichts anderes. Es zeigt die zahlreichen Fallstricke der tagtäglichen Kommunikation mit anderen und sich selbst.

Im Vorwort steht als treffende Zusammenfassung der folgende Satz “Jeder Leser dürfte etwas von sich selbst in diesem Buch wiederfinden — nämlich seine eigene Art und Weise, den Alltag unerträglich und das Triviale enorm zu machen.

Er zeigt pro Kapitel typische Verhaltensweisen, die jeder schon einmal bei anderen oder sich selbst erlebt hat und zeigt, warum diese zielgerichtet ins Unglück führen. Obwohl er genau das als Ziel vorgibt ist natürlich klar, das er eigentlich das Gegenteil erreichen will.

Dabei schreibt er stets amüsant und locker-leicht-flockig-ironisch, wodurch die ohnehin schon recht wenigen Seiten noch leichter von der Hand gelesen werden. Ein rundum perfektes Buch für jeden, der mehr über sich und seine Mitmenschen erfahren will.

jaja, und das soll auch alles sein, was ich mir dazu wünsche.

Allerdings noch ein kleines Geschenk: das unglaublich fantastische schöne grandiose herzzerreissende berührende aufputschende aktuelle Lieblingslied des Autors:

Dank meiner inzwischen substantiellen Affinität für den öffentlichen Personennahverkehr (ich liebe die Gelegenheit zur Nachmittags-Power-Napping-Kurzschlaf-Pause zwischen Frankfurt und Darmstadt), habe ich in den letzten Monaten mehr gelesen, als vorher über mehrere Jahre hinweg.

Meine neueste Entdeckung ist “Little Brother” von Cory Doctorov.

Worum geht es? Hauptfigur ist ein etwas nerdiger 17-jähriger Schüler aus San Francisco, der sich sein Technikwissen überwiegend dazu benutzt, die alltägliche Überwachung der Schüler zu umgehen, aber auch nur, um ungestört mit Freunden zu chatten und diverse Spiele zu spielen. Während eines Treffens mit seinen Freunden geschieht ein Terroranschlag auf die Bay Bridge und er wird wie viele andere, die zufällig vor Ort waren, durch die Heimatschutzbehörde inhaftiert.

Die Geschichte beschreibt danach die mehr oder weniger schleichende Wandlung von San Francisco zu einem Überwachungsstaat, bei dem die persönlichen Freiheiten massivst eingeschränkt werden und wie sich in der heutigen Zeit solchen Bedrohungen kreativ begegnen lässt. Dabei erscheint Marcus nie als der selbstsichere Überheld, wie man ihn in vergleichbaren Büchern erwarten würde, sondern er ist sich selbst nie sicher und unter Druck ist der Selbstverrat wahrscheinlicher als der heroische Gestus. Er ist also durch und durch normal und genau das zieht den Leser so stark in das Buch hinein.

Zwei Dinge an diesem Buch sind besonders erwähnenswert (also mal abgesehen von der guten Geschichte und der Spannung und so).

1. Das Buch (wie auch alle anderen Bücher von ihm) sind unter Creative Commons veröffentlicht, d.h. sie sind in digitaler Form frei verfügbar und dürfen auch frei weiterverwertet werden. Wie äußert sich das? Zum Einen sind auf der Seite die Werke in allen möglichen Formaten verfügbar (ja, kostenlos) und zum Anderen sind auch Übersetzungen und Hörbuchfassungen ohne weiteres erlaubt (solange sie auch wieder unter CC veröffentlicht werden). Ich habe mir das Buch deshalb umso lieber gekauft.

2. Der Typ hat Ahnung von dem was er schreibt. Es geht zwar hauptsächlich um einen orwellschen Polizeista(a/d)t und wie der Hauptcharakter damit umgeht/gegen diesen ankämpft, aber ganz viele Prinzipien die quasi nebenbei erläutert werden, sind real. Und selbst die fiktionalen Technologien sind im Bereich des möglichen.

In meinen Augen ein unbedingter Lesetip, der so manche Augen öffnen dürfte und für viele Bereiche des digitalen Selbst sensibilisiert.

Dieser Film stand jetzt schon längere Zeit auf meiner Unbedingt-Schauen-Liste, ich habe öfters in meinem Schweinemarkt des Vertrauens geschaut, ob er vielleicht mal rumliegt und ich das als unbedingtes Zeichen sehen kann, ihn zu kaufen. Aber wenn man Dinge nicht selbst macht, werden sie nie gemacht, also nutzte ich eine spontane Kauflust auf Amazon, um die DVD mir selbst unterzujubeln.

Gestern kam also das Paket und ich sage mal so: der Film setzte sich im Wettbewerb der diesen-neuen-Film-schaue-ich-heute-das-erste-mal-Filme gegen Citizen Kane, Blue in the Face und No Country for Old Men durch. Also im eingelegt werden – die anderen werden auch noch kommen, nicht das die jetzt denken, sie wären drum herum gekommen.

Worum geht es? Joel (Jim Carrey) stellt fest, das seine Freundin Clementine (Kate Winslet) sich einen Tag nach einem großen Streit nicht mehr an ihn erinnern kann und zu allem Überfluss auch noch einen neuen Freund hat. Durch einen Zufall erfährt er, das sie sich sämtliche Erinnerungen an ihn und die gemeinsamen letzten zwei Jahre löschen lassen hat. Im Zorn beschliesst er, sich ebenfalls alle Erinnerungen an sie entfernen zu lassen.

In der folgenden Nacht erlebt er noch einmal alle gemeinsamen Erinnerungen und während der Löschung stellt er schnell fest, das er sich falsch entschieden hat. Daraufhin versucht er alles, um irgendwie wenigstens ein paar Erinnerungen an sie zu behalten und geht sogar dazu über, sie in vollkommen anderen Erinnerungen zu verstecken. Nichts hilft und er erwacht am nächsten Morgen mit einem merkwürdig leeren Gefühl, womit man wieder in der umschliessenden Rahmenhandlung angelangt ist, wo sich die beiden schon längst wieder begegnet und angenähert haben.

Dies ist zwar eine stark verkürzte Variante, aber einen solch komplexen Film in zwei Absätzen zusammenzufassen, ist auch nicht leicht. Vielleicht bequemt sich der Leser ja auch mal dazu, hier mitzuhelfen und schaut sich den Film halt mal selbst an.

Was macht diesen Film nun so speziell? Zum Einen ist da mal die ungewöhnliche Erzählweise. Zwischen Rahmenhandlung, der Nacht der Gedächtnisbereinigung und den Erinnerungen wird virtuos hin- und hergesprungen, so das sich für den Zuschauer das anfängliche große Fragezeichen zunehmend in ein einziges Ausrufezeichen verwandelt. Dazu kommt, das die Reihenfolge der Erinnerungen rückwärts abläuft, so dass die unangenehmen von Streit erfüllten späten Erinnerungen zunehmend durch die angenehmen überstrahlt werden – ganz nach dem Motto “man erinnert sich später nur an die guten Zeiten”.

Dazu kommen zwei fantastische Hauptdarsteller. Jim Carrey in seinen Nicht-Klamauk-Rollen gehört sowieso zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern, der einfach eine unglaubliche Wandlungsvielfalt besitzt, was er in Filmen wie Mondmann, Lemony Snickets oder Truman Show bisher eindrucksvoll bewiesen hat.

Alles in allem ein schöner ungewöhnlicher Film, der sicher nicht das letzte Mal das Innenleben meines DVD-Laufwerks gesehen hat.

Eine Musik, die mich jetzt schon ein paar Wochen begleitet, ist Ratatat. In einem Video gehört und einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen – so muss Musik sein. Kurze Zeit später direkt drei Alben gekauft und nicht bereut. Offiziell heisst die Musik wohl Indie-Electronic oder so, aber mit solchen Einstufungen kann man ja eh nix anfangen.

Um hier gar nicht erst einen falschen Eindruck erwecken zu wollen: es wird hier keinen ersten Post geben. Ich werde einfach anfangen. Ganz schön gewagt, aber so bin ich halt manchmal – ungeachtet der Risiken einfach mal machen.

Deshalb werde ich hier auch gar nicht erst schreiben, das ich hier einfach nur Zeugs schreiben will: über alles was mir gefällt und was mich beschäftigt. Das muss der Leser dann schon selbst merken. Tjaha, Blog-Reading erfordert halt auch mal Mitdenken!

Und deshalb beende ich den Beitrag auch gleich getreu dem Motto von Groucho Marx: ich würde nie einen Blog lesen, der es mir erlaubt, zu schreiben – oder so ähnlich.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.